2016 June 30
Students
Essence 2016

Das Bildarchiv
 

Seit dem 18.3.2015 senden wir, die Studierenden und Lehrenden der Abteilung, Bilder in ein Online-Archiv: eine Datei pro Person und Woche. Zu Beginn unseres wöchentlichen Treffens, stellt jede_r Teilnehmer_in das eigene Bild kurz vor.
Die individuellen Bilder und ihre Beschreibungen geben Einblicke in die jeweiligen Interessen und Gedanken, sie lösen Diskussionen aus – oder auch Schweigen. Das wöchentliche Bildarchiv ist Forum für Austausch: ein Ritual, bei dem sich die einzelnen Bilder von ihrem Abbildcharakter, ihrer Herkunft und ihrem Kontext zu lösen beginnen und Gemeinschaft produzieren.
Ohne explizite künstlerische Herangehensweisen bildet sich zwischen Recherche-Materialien, tagesaktuellen wie auch historischen Bildern, Alltagsfundstücken und Verlegenheitsbeiträgen über die Jahre hinweg indirekt und wie nebenher unsere Arbeit in der Abteilung ab. Im Rahmen der Essence wird das Bildarchiv zum Ausgangspunkt des Beitrags der Abteilung. 

Archive ermöglichen den Blick auf mehrere Welten.
Archive stellen Bedeutungen und Kontexte her.
Archive generieren Zusammenhänge, Netzwerke. 
Sie sind Wissensplateaus.
Sie sind Module, Postämter.
Sie sammeln, sie repräsentieren.
Archive sind mögliche, produktive Orte für Konflikte.
Das Archiv ist Zeugin und Konstrukt.
Archive verlängern die Gegenwart.
Archive dokumentieren. Sie verheimlichen.
Sie observieren, transportieren, definieren, beinhalten.
Archive sind Container, Müllhalden.
Sie umschließen und öffnen.


Ausstellunsgbeiträge:
 

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Lu Da, Benedikt Meixl, Sarah Pedde, Torres, Klaus Voglmayr

Die Zeichen, die zu sehen sind sobald ein Bild in einem Textprogramm geöffnet wird,
sind in dieser Skulptur raumfüllend in einem Raster umgesetzt. Sie agieren gleichzeitig als überdimensionierte Lautsprecher, die beim Näherkommen ein Eintauchen in die Klangatmosphäre ermöglichen.
 

Stille Post (Sound Installation)
Francesca Aldegani, Nora Drumeva, Lukas Gritzner, Marlies Gruber, Natalia Gurova, Katharina Körner, Mahsa Mahootchi, Pia Plankensteiner 

Für die Arbeit Stille Post wurde das Bildarchiv in ein Soundscape übersetzt und die einzelnen Bilder in ihre auditiven Entsprechungen gebracht, u.a. basierend auf Field Recordings und Sprachaufnahmen sowie Google Voice und Found Footage.
Während Lukas Gritzner Helligkeit, Farbe und Code einzelner Bilder in Störgeräusche und gesprochenen Text umwandelt und übereinanderlegt, zwingt Katharina Körner ihren Bildern durch maschinell gesprochene Texte eine neue Ebene auf. Natalia Gurova schlüpft selbst in die Rolle der Erzählerin und interpretiert so die von ihr ausgewählten Bilder aus dem Bildarchiv sprachlich neu. Mahsa Mahootchi nähert sich ebenfalls mit ihrer eigenen Stimme dem Bedürfnis, Übersetzungsmodi zum Bildarchiv zu finden, und spricht selbst verfasste Kurzgeschichten. Marlies Gruber geht es um das räumliche Einfangen von Bildwelten mittels Tonaufnahmen von Umgebungsgeräuschen, zeitgleich ist Francesca Aldeganis Interpretation zu hören: Indianische Stammesgesänge überlagert sie mit einem Vortrag über Anleitungen zum Glücklichsein. Dieser Mix wird abrupt von dem Lied Will to Fail unterbrochen.
Den unmittelbaren Kontext von Bildern erforschen Nora Drumeva und Pia Plankensteiner: Pia Plankensteiner erarbeitete zum Thema der örtlichen Verlegung der schwedischen Stadt Kiruna eine Narration als auditive Porträtebene. Nora Drumeva inkludiert sowohl die Nachrichtenberichterstattung über den Anschlag auf den Brüsseler Flughafen, als auch Zitate aus dem Stadtraum, die zur Zeit des Anschlags als ermutigende Kommentare auf Hauswände gemalt wurden, um die Geschichte des von ihr selbst in das Bildarchiv eingeschleusten Bildes sprechen zu lassen.
 

Ritual (Buch/Fotokopie)
Sarah Pedde
Den Fokus auf ein und dasselbe Motiv zu richten, um so mittels Wiederholungen und der linearen Struktur eines Heftes einen Entschleunigungsprozess anzuregen - hier setzt Sarah Pedde mit ihrer Arbeit Ritual an. Sie unterstreicht damit das repetitive und kollektive Handeln des Bildarchivs als Klassenforum.
 

Ohne Titel (Postkarten)
Pia Plankensteiner
Ein Postkasten, Postkarten, Briefmarken. Die Bilder werden zu Lieblingsbildern, zu 500 unterschiedlichen Postkartenmotiven, die von Pia Plankensteiner bereitgestellt werden, um danach ausgewählt, eingeworfen und verschickt zu werden.

Foto: Sarah Pedde