Winter 2018/19
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Ă–ffentliche Orte der Kunst

Kunst ist im städtischen Raum allgegenwärtig. Während gewisse Manifestationen künstlerischen Schaffens sehr präsent sind in der kollektiven Wahrnehmung – vor allem Werke, die der Idee der Repräsentation oder der Provokation verpflichtet sind – bleiben andere oft beinahe unbemerkt oder werden nicht als künstlerische Arbeit identifiziert; häufig handelt es sich hier um Eingriffe, die sich subtil in einen urbanen Kontext (temporär) einschreiben oder um feine Verschiebungen, die die Wahrnehmung oder Nutzung einer städtischen Situation beeinflussen und verändern.

Andere Werke wiederum haben sich schon dermaßen ins Stadtbild eingeschrieben, dass man im Alltag nicht viele Gedanken dran verschwendet – außer, wie aktuell im Fall der von der Zerstörung bedrohten Arbeit von Lawrence Weiner SMASHED TO PIECES (IN THE STILL OF THE NIGHT).

In Form von Stadterkundungen in Wien, die uns zuerst für diese Gegenwart von Kunst im städtischen Raum sensibilisieren sollen, entdecken und diskutieren wir unterschiedliche Beispiele hierfür – von dauerhaften Kunst-am-Bau-Projekten und Denkmäler über Langzeitinstallationen im öffentlichen Raum bis zu temporären Interventionen.

Parallel dazu lernen wir bei Besuchen verschiedener Ausstellungs- und mitunter Produktionsorte die Wiener Kunstlandschaft und deren Akteur*innen kennen, die gegenwärtig dank vieler neuer, jüngerer Initiativen sehr in Bewegung ist. Dabei sehen wir uns Ausstellungen in etablierten Institutionen (Museen, Kunsthalle, private Ausstellungshäuser), kommerziellen Galerien und diversen Projekträumen (Off-Spaces) und nutzen die Gelegenheit, mit Kurator*innen, Künstler*innen und anderen Akteur*innen zu sprechen.

In Wien wird Kunst im öffentlichen Raum und ortsspezifische Arbeiten vergleichsweise gut gefördert, nicht nur von öffentlicher Hand – einerseits. Andererseits unterliegt die Realisierung von Projekten im öffentlichen Raum zahlreichen Auflagen – zur Vergabe und Unterstützung gibt mehrere Anlaufstellen, wie beispielsweise KÖR oder BIG – was naturgemäß zu einer weitgehenden Regulierung und Kontrolle führt. Was ist aber mit Vorhaben, die sich diesen Einschränkungen nicht unterwerfen wollen? Gibt es hierfür noch Freiräume – und wenn ja, wo sind sie? Vor dem Hintergrund der Idee einer alternativen Gestaltung städtischen Raumes jenseits von Konsum oder reiner Funktionalität fragen wir auch wie Kunst im öffentlichen Raum Kategorien wie Partizipation, Intervention, Ästhetik und Raumnutzung verhandelt.

Die Idee ist, am Ende des Semesters ein dichtes Netz an aufgesuchten öffentlichen Orten der Kunst auf dem Stadtplan Wiens zu zeichnen – eine Art Index, die potenziell erweitert werden kann. 
 

Credit: Lawrence Weiner, SMASHED TO PIECES, 1991
Foto: Christian Wachter