2017 January 25
Students
Sonntag Nachmittag

Meine Arbeiten beginnen mit der Suche nach einem Ort. Haben wir uns gefunden, teilen wir Zeit miteinander, immer und immer wieder. Bis wir beginnen uns auszutauschen, über all das, was uns umgibt.
In Sonntag Nachmittag ist dieser Ort das Gelände am Wiener Hauptbahnhof. Ein Infrastrukturprojekt, das Europa verbindet und zeigt, was unsere Gesellschaft antreibt.
Effizienz, Fortschritt, Beschleunigung Standardisierung
Was ich will, ist Ineffizienz.
Nicht ans Ziel kommen, mich verlaufen.

Auf Straßen bewegt man sich fort, in Gebäuden lebt man. Bei Grün quert man die Straße, bei Rot bleibt man stehen. An der Tür steht Ausgang, daneben kein Eingang. Gängige Codes, die unseren Alltag bestimmen, werden in vielen Bereichen unseres Lebens immer allgegenwärtiger. Wir wissen, dass wir beobachtet werden, von Kameras, von den anderen, aber vor allem von uns selbst. Wir zensieren uns.

In Sonntag Nachmittag versuche ich Aktionen zu finden, die neben den vorgegebenen Funktionen eines Raumes existieren können, um das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. (1)
Wien Hauptbahnhof – ein Ort, der mich leitet, nicht physisch sondern emotional.


Bild: Nora Gutwenger

(1) Vgl., Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften.
Erstes Buch, Kapitel 5, Rowohlt Verlag, 1994; S. 17