2016 October 22 / 13:00 - 2016 October 22 / 14:30
Round Table
Vera Tollmann

Vera Tollmann

Das Universum abbilden: über Maßstab, Berechnung und Komposite
SA 22.10.16 | 13:00

Das Universum war immer vermittelt, immer ein Bild, ein virtuelles Universum. Wie verändern sich durch schnelle und leistungsfähige Computer Bilder und Vorstellungen vom Weltraum? Was bleibt unsichtbar? Im Vortrag soll es darum gehen, wie Technologie das Bild vom Universum mitbestimmt, wo sie Hilfsmittel ist, und wo sich Artefakte bilden. Was die Kompositbilder im Film Powers of Ten von Charles und Ray Eames mit aktuellen Abbildungen des Weltalls verbindet: Beide zeigen Raum ohne Zeit. Während Powers of Ten unter fotografischen Bedingungen entstand, ist in heutigen Bildern des Universums die Pixelung bedingt durch Sensoren und Computerleistung zu sehen. Digitale Anwendungen haben Manipulation und Manipulierbarkeit von Daten normalisiert, sie stellen eine Möglichkeit dar, mit großen Datenmengen umzugehen.
Während bei den Eames die „Welt“ zweidimensional organisiert und in Strukturen und Raster unterteilt war, basiert Google Earth auf Netzwerken und Algorithmen. Der Eames-Film leistete sich noch den Clou, die Verteilung der Himmelskörper im Weltall isomorph mit der Ansicht von Atomen im Körperinneren darzustellen. Innerhalb des Universums finden sich also sowohl ein Makro- als auch ein Mikrokosmos. Powers of Ten zeigt 40 Zehnerpotenzen von 10 hoch 24 bis 10 hoch minus 16 Meter. Datenmengen wie Peta- und Exabyte werden ebenfalls in Zehnerpotenzen angegeben; Und Physiker können bis auf 10 hoch minus 43 Sekunden nach dem Big Bang zurückrechnen. Unvorstellbare Größen sind das.

 

Vera Tollmann studierte Angewandte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim und Cultural Studies in Liverpool. Seit 2015 ist sie Mitglied im Graduiertenkolleg „Ästhetiken des Virtuellen“ an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und promoviert zum Thema „From Universe‘s View. Zur bildpolitischen Bedeutung der vertikalen Perspektive“. Zudem ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste Berlin, wo sie zusammen mit Hito Steyerl und Boaz Levin das Research Center for Proxy Politics leitet. Zuletzt erschienene Essays: “The Body of The Web,” (mit Boaz Levin), in: Out of Body, Skulptur Projekte Münster 2017, frieze d/e, No. 23, Frühling 2016; “Watching “Powers of Ten” in 2014: A Blueprint for Same Old Power Structures?” auf der Website Regarding Spectatorship: Revolt and Distant Observer (Berlin 2015); „The Uncanny Polar Bear“. Activists Visually Attack an Overly Emotionalized Image Clone“ in: Image Politics of Climate Change. Visualizations, Imaginations, Documentations. (Birgit Schneider, Thomas Nocke (Hg.), transcript 2014).


Bild: Ein winziger Ausschnitt (Eta Carinae) aus einem Milchstraßenfoto mit 46 Milliarden Bildpixeln, dem bislang größten astronomischen Bild (2015)
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Rolf Chini, Lehrstuhl für Astrophysik, Ruhr-Universität Bochum.