Summer 2022
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MONUMENTAL CARES

“Es gibt nichts, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler,” schrieb Robert Musil in den Dreißigerjahren. Mitten in einem globalen Aktivismus gegen herkömmliche Denkmalskultur stellt sich die Frage, ob es lediglich die Inhalte sind, die nicht mehr zeitgemäß sind, oder ob wir alternative Formen und Konzepte des öffentlichen Erinnerns brauchen. Wer hat die Macht, im öffentlichen Raum Geschichte zu konstruieren, und wie passen Monumente und Denkmäler in eine demokratische Gesellschaft? 
 

Das 20. Jahrhundert kann wohl als turbulenteste Zeit hinsichtlich der Veränderungen in der Denkmalkultur begriffen werden. Neue Fragenstellungen, etwa, auf welche Art Opfern – im Gegensatz zu Siegern – mittels Denkmälern gedacht werden können, brachten Paradigmenwechsel mit sich, wie das in den Achtzigerjahren ausgerufene Modell des “Gegendenkmals.” Das zeitgenössische Denkmal muss sich nicht nur gegen das kritische Argument behaupten, Monumentalität sei per se autoritär, sondern auch mit neuen Formen der Erinnerungskultur (Fotografien, Poster, Film, Aktionen, Internet) konkurrieren. Diese Lehrveranstaltung bietet einen historischen und globalen Einblick in die Debatte: wie hängt die Black Lives Matter Bewegung mit dem Aktivismus gegen Monumente von Columbus und gegen konföderierte Militärleiter zusammen? Warum löst die Bronzestatue eines koreanischen Mädchens eine diplomatische Auseinandersetzung mit Japan aus? Warum ist öffentliche Geschichte überhaupt wichtig, und brauchen wir dafür physische Zeichen im öffentlichen Raum? Was sind zeitgenössische Formen des öffentlichen Erinnerns? 

 

Biography

Mechtild Widrich is a professor in the Department of Art History, Theory and Criticism at the School of the Art Institute of Chicago and currently Guest Professor at the University of Applied Arts. 

Widrich is the author of numerous publications on monuments, commemoration and public space, e.g. Performative Monuments (Manchester, 2014), Monumental Cares (Manchester, 2022), Participation in Art and Architecture (London, 2015/22), and Krzysztof Wodiczko, A 9/11 Memorial (London, 2009). 

Widrich is currently part of the Grant Park Advisory Council on Art, Monuments, Markers in Chicago, and jury member for the competition to contextualize the Lueger monument in Vienna. She is core research member of the AgorAkademi project at the École des Hautes Études en Sciences Sociales Paris, and the Performance and Public Space program and Research Center at London Metropolitan University and has held residencies and fellowships at the University of Chicago Hong Kong Center, the CCA/ National Technical University Singapore, the Eikones Center at University of Basel, the Max Planck Institute for the History of Science, Berlin, and the University of Notre Dame, among others. She holds a MPhil from the University of Vienna’s Art History Department and a PhD from Massachusetts Institute of Technology’s Architecture Department.

 

Mehr Info auf der Base Angewandte

 

Image: Alexandra Pirici, If you don't want us, we want you, 2011. Foto Alexandru Patatics.